"Ein kleines Wunder"
Passiert war der folgenschwere Unfall ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich Fraisl nach eigener Einschätzung in absoluter Topform befand. Bei einer Sprungübung, einem Rückwärtssalto mit zweieinhalb Schrauben, ging die Landung schief. „Ich war damals eigentlich in meiner Prime, richtig fit. Und dann kommt plötzlich so ein riesiger Rückschlag“, erinnert sich Fraisl.
Es folgten Operationen und eine Woche im Spital – zunächst vier Tage in Stuttgart, anschließend drei weitere in der Privatklinik Hochrum. Danach durfte Fraisl zurück ins Ländle, wo die lange Rehabilitation begann. Einen wesentlichen Teil davon absolvierte Fraisl im Olympiazentrum Vorarlberg. Physiotherapie, Krafttraining und speziell die Arbeit an den Beinen bestimmten fortan seinen Alltag. Auch mental war der Weg zurück eine Herausforderung. „Am Anfang hatte ich brutalen Respekt, wieder zu turnen.“
Erfolgsrezept: Teamarbeit
Körperlich nähert sich Fraisl langsam aber sicher wieder seinem Zustand vor der Verletzung und seinem Normalgewicht von rund 64 Kilogramm an. Laufen ist wieder möglich, auch erste Sprünge und Landungen gehören längst zum Trainingsalltag. Bei hohen Belastungen und vor allem einbeinigen Landungen ist allerdings weiterhin Vorsicht geboten.
Dass die Rückkehr dennoch derart schnell gelang, führt Fraisl nicht auf ein einzelnes Erfolgsrezept zurück. „Ich habe ein richtig gutes Team hinter mir. Auch die Ärzte haben einen super Job gemacht. Dazu kamen natürlich die richtige Einstellung, viel Krafttraining und viel Physio.“ Schritt für Schritt machte der Vorarlberger schneller Fortschritte als ursprünglich erwartet.
Zurück ins Wettkampffeeling
Für einen Einsatz an allen sechs Geräten reicht es in Zagreb noch nicht. Am Pauschenpferd kann Fraisl sein Bein jedoch weitgehend "schonen" und gleichzeitig einen Beitrag zum österreichischen Team leisten. Entsprechend nüchtern formuliert er seine Erwartungen an seine erste Europameisterschaft nach der schweren Verletzung: „Mein Ziel ist, meine Übung sauber durchzuturnen, damit ich dem Team helfen kann.“
Mindestens ebenso wichtig ist für Fraisl aber etwas anderes: wieder das Gefühl eines internationalen Großereignisses zu erleben. „Ich möchte wieder ein bisschen ins Wettkampffeeling kommen. Nach so einer Verletzung bei einer EM dabei zu sein, ist für mich eine große Ehre.“ Fünf Monate nach dem Moment, der seine Saison eigentlich schon beendet hatte, steht Fraisl damit wieder dort, wo er vor seinem Sturz war: auf der großen Turnbühne.
18/08/26
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